"Namentlich aufgefallen: Shorty Rickli"
Solothurner Zeitung vom 25. August 1990
"ka. Wenn sich über das Wochenende der Märetplatz bereits zum vierten Male in ein kleines New Orleans verwandelt und die Solothurner wiederum mit Stolz feststellen, dass ihre Stadt einfach für alles einen würdigen Rahmen bietet, dann wird es einem, dem die einheimische Jazz-Szenerie seit frühesten Tagen bekannt ist, ganz besonders warm ums Herz.
  Zeichnung José Mercier (1927-1993)
Für Shorty Rickli, Saxophonist bei der Ambass Town Jazz Band und Mitbegründer der "Jazztage am Märetplatz" gibt es nebst der Pflege der engen Familienbande und seiner Arbeit als Layout-Setzer im eigenen Betrieb nichts Schöneres als die Musik im allgemeinen und den Jazz im besonderen.
 
Der Vollblut-Solothurner, der, wie weit es ihn auch von seinen hiesigen Wurzeln wegtreiben mag, immer mit einem Bein in seiner Geburtsstadt stehenbleiben möchte, stellt, wenn es um die Musik geht, nur eine Bedingung: "Es muss fegen". Wenn Shorty Rickli über seine tiefgreifenden Beziehungen zum traditionellen Jazz zu philosophieren beginnt, spürt man recht bald, dass man es mit einem Menschen zu tun hat, der so richtig "im Bauch lebt" und dass alles Sterile und Kopflastige nicht so recht in seine Welt passt.
 
Bereits mit 17 Jahren hat der hundertprozentige Amateur in einer Dixieland-Band in Grenchen mitgespielt. Seit 30 Jahren hat er Einblick in die Solothurner Jazzszene und dabei unzählige Freunde gewonnen. Sie alle mögen sich nicht deshalb, weil sie "ein gutes Horn blasen", sondern weil sie die Musik bis ins tiefste Innere verbindet. "Die Solothurner Jazzmusiker kommunizieren überaus freundschaftlich miteinander und kennen weder Neid noch Missgunst." Das gefällt Shorty, wie seine Freunde ihn liebevoll nennen. Dieses gute Einvernehmen ist offenbar auch der Schlüssel dazu, dass Solothurn in Sachen Jazz so viel zu bieten hat.
 
Zu den frühesten Erlebnissen gehört auch das Mitwirken bei der ehemaligen Solothurner Tanzformation, der Andy Famous Group. Immer wieder hat es Shorty miterlebt, wie sich bestehende Formationen auflösten und neu formierten. Als Mitorganisator ist er auch bei den beliebten Jazz-Matinees im Chutz beteiligt, spielt mit einer Zofinger Band und ist bei Ad-hoc-Formationen der Berner Musiker dabei.
 
Dass die heute abend von 20.30 bis 23 Uhr auftretende Ambass Town Jazz Band sich für ihre sauberen Arrangements und das präzise Zusammenspiel einen so guten Namen erworben hat, ist nicht der Freude an der Musik allein, sondern harter Arbeit zu verdanken, an der Shorty Rickli wesentlich mitbeteiligt ist.
 
"Weshalb gerade Jazz?" fragten wir den gemütvollen Solothurner, der jeder Art von Zwang misstrauisch gegenübersteht. "Man ist allein und kommt über die Welt der Gefühle zusammen. Die Grundharmonie ist beim Jazz das einzig Bindende, der Rest ist jedem selbst überlassen." Das wunderbare Erlebnis, in der Harmonie eins zu werden und sich wieder zu trennen, dieser vollendete Ausdruck von Freiheit und schöpferischer Kraft wird Shorty Rickli heute abend wieder bestätigen, dass er nicht anders kann, als ein Jazzmusiker zu sein. Und er wird seinem geliebten Solothurner Publikum für die Bestätigung dankbar sein."
 

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